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Altdeponie Nauroth

Die ehemalige Hausmülldeponie Nauroth diente dem Landkreis Altenkirchen von 1973 bis 2002 als Ablagerungsstätte für die Abfälle aus Haushalten und Gewerbe.

Seit dem 01.12. 2002 befindet sich die Deponie in der sogenannten Stilllegungsphase. Es wird zurzeit davon ausgegangen, dass die Nachsorgezeit nach Aufbringung der Oberflächenabdichtung 35 Jahre beträgt. Für die Deponienachsorge wurden aus Abfallgebühren Rückstellungen gebildet, die sowohl die notwendigen Nachsorgeinvestitionen, wie auch die laufenden Betriebskosten abdecken sollen. In Absprache mit der Aufsichtsbehörde SGD Nord, wurden 2015 drei neue Gasbrunnen gebohrt und Sickerwassermesseinrichtungen in den Einlaufbauwerken eingebaut.


Die Deponie in Zahlen

Deponiefläche = 15,27 ha

Deponieverfüllvolumen = 2.100.000 m³


Technische Einrichtungen der verfüllten Deponie:

Sickerwasserbehandlung

Eine der wichtigsten Aufgaben der Deponienachsorge ist der Gewässerschutz.

Sickerwasservorbehandlungsanlage Deponie Nauroth

Nach der Vorbehandlung werden die Abwässer über eine cirka 11 km lange Druckrohrleitung zu einem Übergabeschacht nach Elben gepumpt. Von dort fließt das Sickerwasser gemeinsam mit häuslichen Abwasser in einem Verbindungssammler zur Kläranlage Wallmenroth-Muhlau.



Gaserfassung und Gasnutzung

Die Deponie Nauroth wird in der Fachsprache als Reaktordeponie bezeichnet, da sich in ihrem Inneren noch fortlaufend Reaktionen ereignen. Aufgrund von natürlichen biologischen Abbauprozessen entstehen aus dem organischen Anteil des deponierten Haus- und Gewerbeabfalls Gase.

Durch die sogenannte Methangärung wird im Deponiekörper schon nach wenigen Monaten ein Deponiegas gebildet, das zu 50 - 60% aus Methan (CH4), zu 35 - 45 % aus Kohlendioxyd (CO2) und zu geringen Anteilen aus sonstigen Begleitgasen wie z.B. Stickstoff, Kohlenmonoxid und Wasserstoff (N2, CO, H2) gebildet wird.

In Spuren enthält das Gemisch auch Schadstoffe wie Schwefelwasserstoff (H2S), Halogene (Fluor, Chlor, Brom) und halogenierte Kohlenwasserstoffe (z.B. FCKW). Wenn genügend organische Stoffe im Deponiekörper vorhanden sind und eine ausreichende Feuchtigkeit vorherrscht, wird über einen langen Zeitraum dieses Deponiegas gebildet.

Früher konnten die Deponiegase ungehindert über die Oberfläche entweichen, sich mit der Luft ausbreiten und die Umgebung mit unangenehmen Gerüchen belasten. Vor allem bei fallenden Luftdrücken hat die Deponie "ausgeatmet", was dann auch regelmäßig über weite Entfernungen zu riechen war.

Deponiegas ist zudem ein klimaschädliches Gas und trägt zum Treibhauseffekt bei. Deponiegase riefen früher außerdem große Vegetationsschäden hervor, weil sie den Sauerstoff im Wurzelraum in der Rekultivierungsschicht verdrängen und damit die Pflanzen zum Absterben bringen.

Deponiegas ist hochenergetisch und stellt, da es aus der Zersetzung von organischen Stoffen gebildet wird, eine regenerative Energiequelle dar. Diese Resource gilt es sinnvoll zu Nutzen.


Die Verhinderung unkontrollierter Gasaustritte und Verwertung des Deponiegases

Gasaustritte aus dem Deponiekörper, mit den beschriebenen negativen Auswirkungen auf die Umwelt, werden am besten durch ein Bündel von Maßnahmen wirksam verhindert. Eine wichtige Gegenmaßnahme sind mineralische Oberflächenabdichtungen, die ein unkontrolliertes Ausgasen verhindern. Damit das Gas nicht durch den dann entstehenden Überdruck an einer noch offenen Stelle entweicht, wird dieses im gesamten Deponiekörper abgesaugt. Dazu wird über verschiedene Arten von Gasbrunnen ein Unterdruck im Abfallkörper erzeugt und das Deponiegas dadurch abgesaugt.



Über Gasförderleitungen wird das hochenergetische Gas zur Gasverwertungsanlage geleitet, wo es in einem Gasmotor mit einer Leistung von 190 kW zur Stromgewinnung verwertet wird. Der erzeugte Strom wird im eigenen Betriebs- und Wertstoffhof eingesetzt und der Überschuss dem regionalen Energieversorger zur Verfügung gestellt. Die im Motor generierte Abwärme wird über einen Wärmetauscher für den Betrieb der Warmwasserversorgung in dem Behälterlager genutzt. Dadurch lassen sich Einsparungen im Heizölverbrauch realisieren. Dabei werden gleichzeitig die Schadstoffe im Deponiegas thermisch zerstört. Deponiegas ist hochenergetisch und stellt, eine zu nutzende regenerative Energiequelle dar.




Wenn eine Verwertung des Deponiegases z.B. wegen Reparatur- und Wartungsarbeiten der Gasmotoren nicht möglich ist, so muss das anfallende Deponiegas über eine Gasfackel abgebrannt werden.